Shopware B2C-Shops & D2C

Als eine 92-jährige Marke plötzlich wieder jung wurde: Die Geschichte, wie ein D2C-Shop mit Shopware die Kunden zurück ins Herz holte

Fallbeispiel, fiktiv: Vom indirekten Vertrieb zur direkten Kundenbeziehung (D2C)

Es war ein grauer Novembernachmittag 2023, als Sophie Bergmann die letzte Händlerrechnung auf ihren Schreibtisch legte. Der Beleg über 42.000 Euro zeigte die Provision eines Großhändlers für den Verkauf von 1.800 Paar handgefertigten Lederschuhen.

Das Unternehmen Bergmann & Söhne produziert seit 1931 im Schwarzwald, verkauft jedoch überwiegend über Fachhandel und Handelsketten. Dadurch bestand kaum direkte Verbindung zu den Endkunden. Weder Kaufverhalten noch Kundenfeedback waren transparent verfügbar.

Gleichzeitig führte der indirekte Vertrieb zu sinkenden Margen, wachsendem Preisdruck und eingeschränkter Kontrolle über Markenwahrnehmung und Preisgestaltung. Produkte wurden teilweise mit hohen Rabatten angeboten, was nicht zum eigenen Qualitätsanspruch passte.

In dieser Situation entstand die zentrale Fragestellung: Wie kann der direkte Zugang zum Kunden wiederhergestellt werden?

Der Konflikt: Zwischen etabliertem Vertrieb und neuen Marktanforderungen

Die wirtschaftliche Entwicklung zeigte mehrere Herausforderungen:

  • stagnierender Umsatz
  • sinkende Margen durch Zwischenhändler
  • fehlende Kundendaten und geringe Transparenz
  • steigender Wettbewerb durch digitale Marken

Parallel dazu etablierten sich neue Marktteilnehmer, die über D2C (Direct-to-Consumer) direkt an Endkunden verkaufen.

D2C bedeutet: Hersteller vertreiben ihre Produkte ohne Zwischenhändler direkt über eigene digitale Kanäle (z. B. Online-Shop), behalten dadurch die Kontrolle über Preisgestaltung, Markenkommunikation und Kundendaten.

Im Unternehmen führte das zu einer strategischen Diskussion: Soll weiterhin auf den klassischen Handel gesetzt werden oder ein eigener Direktvertrieb aufgebaut werden?


Der Wendepunkt: Entscheidung für ein D2C-Modell mit Shopware 6

Im Februar 2024 fiel die Entscheidung für den Aufbau eines eigenen D2C Online-Shops.

Ziele:

  • direkter Kundenkontakt
  • höhere Margen
  • bessere Steuerung der Markenwahrnehmung
  • Nutzung von Kundendaten für Marketing und Vertrieb

Als technische Grundlage wurde Shopware 6 gewählt, da das System sowohl Content-getriebenes Storytelling als auch skalierbare E-Commerce-Funktionalitäten unterstützt. Mit keeen wurde ein Umsetzungspartner eingebunden, um Konzept und technische Realisierung zu begleiten.


Umsetzung: Aufbau einer direkten Customer Experience

Der neue Shop wurde nicht nur als Verkaufskanal konzipiert, sondern als zentrale Plattform für Markenkommunikation und Customer Experience.

Fokus:

  • klare Nutzerführung (UX)
  • Integration von Content und Commerce
  • reduzierte Komplexität im Kaufprozess

Statt eines klassischen Produktkatalogs wurde der Einstieg stärker über Inhalte und Nutzungskontexte gestaltet.


Produktberatung und Conversion-Optimierung

Zur Unterstützung der Kaufentscheidung wurde ein digitaler Fit-Finder integriert.

Funktionen:

  • Erfassung von Fußform, Größe und Nutzung
  • automatische Produktempfehlung
  • Reduktion von Fehlkäufen und Retouren

Solche Tools unterstützen sowohl Conversion als auch Kundenzufriedenheit.


Content und Storytelling im E-Commerce

Ein wesentlicher Bestandteil des D2C-Ansatzes ist die direkte Kommunikation mit Kunden.

Umgesetzt wurde dies durch:

  • detaillierte Produktgeschichten
  • transparente Herkunft von Materialien
  • Einblicke in Produktion und Handwerk

Zusätzlich wurde User Generated Content integriert, wodurch Kunden eigene Inhalte teilen können. Das verbessert Reichweite, Vertrauen und Kundenbindung.


Technische Umsetzung mit Shopware 6

Im Hintergrund bildet Shopware 6 die technische Grundlage für:

  • Bestellabwicklung
  • Content-Management (Erlebniswelten)
  • Automatisierung über den Flow Builder
  • Integration von Marketingkanälen

Zusätzlich wurden Prozesse automatisiert:

  • Versandabwicklung
  • personalisierte E-Mail-Strecken
  • Datenauswertung für Kampagnensteuerung

Das Marketing kann Kampagnen zentral steuern und auf Basis von Echtzeitdaten optimieren.


Wirtschaftliche Effekte des D2C-Modells

Durch den Direktvertrieb veränderte sich die Kosten- und Margenstruktur:

  • Wegfall von Händlerprovisionen
  • höhere Bruttomargen
  • bessere Steuerung von Preisaktionen

Zusätzlich können Investitionen gezielter in Produktqualität, Marketing und Kundenbindung fließen.


Ergebnisse nach Einführung

Nach rund einem Jahr zeigten sich deutliche Veränderungen:

  • wachsender Anteil des D2C-Umsatzes
  • steigende Wiederkaufsrate
  • verbesserte Kundenbindung
  • direkte Verfügbarkeit von Kundendaten

Der Fachhandel blieb bestehen, wurde jedoch strategisch anders eingebunden.


Rolle des Fachhandels im D2C-Modell

Der Aufbau eines D2C-Kanals bedeutet nicht zwangsläufig die Ablösung bestehender Vertriebspartner.

Mögliche Effekte:

  • Ergänzung statt Ersatz des Handels
  • stärkere Markenpräsenz
  • verbesserte Informationsbasis für Partner

In diesem Fall entwickelte sich der D2C-Shop parallel zum bestehenden Vertrieb.


Was sich aus dem Fall ableiten lässt

Der Wechsel zu D2C ist eine strategische Entscheidung, die sowohl technologische als auch organisatorische Anpassungen erfordert.

Wichtige Erfolgsfaktoren:

  • klare Positionierung der Marke
  • Integration von Content und Commerce
  • Nutzung von Kundendaten
  • technische Skalierbarkeit

Shopware 6 bietet dafür eine geeignete Grundlage, insbesondere durch die Kombination aus E-Commerce-Funktionalität und Content-Management.


Fazit: D2C als Erweiterung klassischer Vertriebsmodelle

Der Aufbau eines D2C-Kanals ermöglicht es Unternehmen, eine direkte Beziehung zu ihren Kunden aufzubauen und gleichzeitig die Kontrolle über Marke, Preise und Daten zu behalten.

Im vorliegenden Fall führte die Einführung eines Shopware 6 D2C-Shops zu:

  • höherer Marge
  • besserer Customer Experience
  • stärkerer Kundenbindung

D2C ist damit kein Ersatz für bestehende Vertriebsstrukturen, sondern eine Ergänzung, die Unternehmen mehr Flexibilität und Unabhängigkeit im E-Commerce bietet.

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Marco Nurr
Shopware-Consultant – keeen GmbH
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